Spendentransport an die bosnisch-kroatische Grenze

Liebe Unterstützer:innen – wir sind überwältigt.

Am 28.1 ist ein LKW mit 33 Paletten voller Hilfsgüter in Velika Kladusa in Bosnien angekommen. Schuhe, Schlafsäcke, Mützen und vieles mehr haben zusammen unglaubliche, satte 6 Tonnen auf die Waage gebracht. Hier im Detail:

  • 1612 warme Winterjacken,
  • 878 Paar Schuhe,
  • 6615 sonstige Kleidungsstücke,
  • 2243 Schals, Mützen & Handschuhe,
  • 307 Schlafsäcke,
  • 255 Rucksäcke,
    … und noch vieles mehr!

Die Sachen wurden an SOS Balkanroute übergeben, die wiederum einen großen Teil an die ebenfalls in Bihac und Velika Kladusa aktive NGO No Name Kitchen abgegeben haben. Drei Paletten gingen außerdem an eine Initiative in Sarajevo.

Wir sind überwältigt von Eurem Support und dem unglaublichen Ergebnis nach einem Monat! Beim Start unseres Spendenaurufs Mitte/Ende Dezember, hätten wir nie gedacht, dass wir am Ende einen 40 Tonner LKW auf Reisen schicken werden. Doch der Bedarf ist enorm und so hätte es nicht besser laufen können. Besonders danken wir dem Bellevue di Monaco, Stadtrat Thomas Lechner, dem Feierwerk und der Münchner Tafel – und unseren solidarischen Freund:innen aus dem Kreis Erlangen.

AKTUELL BENÖTIGEN WIR KEINE WEITEREN SACHSPENDEN UND WIR HABEN AUCH KEINE LAGERMÖGLICHKEITEN

Aber nach dem Transport ist vor dem Transport. Wir werden mit Sicherheit wieder einen Transport organisieren oder mitorganisieren. Bitte lasst euch unbedingt in unseren Verteiler eintragen, damit wir euch mitteilen können, wenn wir wieder Sachspenden benötigen. Außerdem können wir euch so berichten, wie unsere Aktion läuft.

Bitte schreibt uns eine Mail an ak49@mailbox.org – dann nehmen wir euch in den Verteiler auf.

Um was geht es?

An der bosnisch-kroatischen EU-Außengrenze leben Tausende Geflüchtete in unwürdigen Verhältnissen auf der Flucht: in leerstehenden, ruinenartigen Fabriken, in Wäldern oder in Camps – ohne Zugang zu lebensnotwendiger Grundversorgung.

Den Betroffenen mangelt es an Essen, medizinischer Versorgung, Kleidung und nicht zuletzt an Respekt sowie Zuwendung. Zusätzlich haben sie keine Möglichkeit sich vor den sinkenden Wintertemperaturen zu schützen. Doch die EU schottet sich ab und die kroatische Grenzpolizei macht die dafür notwendige Drecksarbeit: Täglich stoppt sie hunderte Menschen auf der Flucht in die EU und bringt sie undokumentiert, illegal und gewaltsam nach Bosnien und Herzegowina zurück. Immer wieder werden Menschen brutal erniedrigt. Sie werden ausgezogen, verprügelt, ihr Hab und Gut verbrannt – und ihr Recht auf Asyl wird ihnen nicht gewährt. Diese menschenrechtsverletzenden Push-Backs der kroatischen Polizei verstoßen gegen die Genfer Flüchtlingskonvention, gegen kroatisches und EU-Recht. Geflüchtete Menschen haben das Recht auf ein transparentes, dokumentiertes Asylverfahren.

© Rebecca Kirsche

Unser Vorhaben

Der AK49 hat von Ende Dezember bis Ende Januar einen Spendentransport an die bosnisch-kroatische Grenze, nach Velika Kladusa, organisiert, um die von der EU entrechteten Menschen zu unterstützen. Wir sind selbst mehrere Wochen vor Ort packen an, wo wir gebraucht werden. Vor Ort unterstützen wir die österreichische NGO SOS Balkanroute, die lokal Hilfe leistet und auf die Gewalt und Menschenrechtsverletzungen gegenüber Menschen auf der Flucht aufmerksam machen. Die Hilfe vor Ort ist offiziell verboten, daher müssen wir und alle anderen illegalisierten Helfer:innen unter dem Radar agieren.

Unsere Soforthilfe kann allerdings keine Dauerlösung darstellen: langfristige und menschenwürdige Lösungen auf politischer Ebene müssen das Ziel sein. Begleitend zum Spendentransport schaffen wir deshalb eine Öffentlichkeit für die menschenrechtswidrigen Handlungen an der bosnisch-kroatischen Grenze sowie die prekären Verhältnisse: Gemeinsam mit anderen Aktivistinnen planen wir gemeinsam mit Freund:innen und anderen Aktivist:innen öffentlichkeitswirksame Aktionen in mehreren Städten.

Den täglichen brutalen Misshandlungen von Migrant*innen und illegalen Zurückweisungen an den Grenzen darf nicht länger zugeschaut werden.

Wir müssen alle aktiv werden! Jetzt !

Wir bitten um Unterstützung!

Wir benötigen aktuell KEINE Sachspenden mehr. Wenn du Sachspenden hast, dann trag dich bitte in unseren Verteiler ein, dann geben wir Bescheid, wenn wir das nächste Mal einen Transport organisiere. Wir benötigen aber weiterhin Geldspenden, um die wichtige Arbeit vor Ort von SOS Balkanroute und anderen NGOs unterstützen zu können.

Geldspenden

Wir benötigen Geldspenden, um Materialien und Lebensnotwendiges vor Ort zu kaufen, die Küche zu versorgen und medizinisches Material anzuschaffen. Mit diesem Geld können wir vor Ort schnell reagieren und außerdem mit lokalen Einkäufen die regionale Wirtschaft stärken.

Bitte spende auf unserer Betterplace-Seite: https://www.betterplace.me/ak49-bosnien

Oder direkt auf folgendes Konto:

Philipp Spindler
GLS Bank
IBAN: DE97 4306 0967 1132 476400

Bitte teile den (Geld-)Spendenaufruf mit deinen Freund:innen

Vielen Dank 🙂

FAQ

Wie kann ich auf dem Laufenden bleiben?

Bitte schreib eine Mail an ak49@mailbox.org – dann nehmen wir dich in unseren Verteiler auf.

Medienberichte über unsere Aktion

Nachrichten, Reportagen und weitere Infos

Wie werdet ihr vor Ort helfen?

Vor Ort kooperieren wir mit lokalen und selbst organisierten kleinen Initiativen, die lokal Hilfe leisten und auf die Gewalt und Menschenrechtsverletzungen gegenüber Menschen auf der Flucht aufmerksam macht. Wir werden dort mitanpacken, wo unsere Hilfe am meisten benötigt sein wird. Wir versorgen die Menschen mit Kleidung sowie Lebensnotwendigen und leisten ggfs. medizinische Erstversorgung. Mit den Spendengeldern werden wir je nach Bedarf Lebensmittel einkaufen, verarbeiten und verteilen, Isolationsmaterial und Öfen kaufen. Ein wichtiger Teil der Arbeit wird das Versorgen von Krankheiten und Wunden sein. Durch die schlechten Hygienebedingungen haben viele der Geflüchteten Hautkrankheiten wie die Krätze. Die erschwerten Lebensbedingungen fördern Entzündungen, Brüche etc. Und nach den illegalen Push-Backs kommen die Menschen mit Schlagwunden, Verbrennungen, Brüchen etc. um, die wir im Rahmen unserer Möglichkeiten notdürftig versorgen werden. Die gesammelten Sachspenden werden wir einlagern und je nach Bedarf verteilen. 

Was macht ihr mit dem Geld?

Mit den Geldspenden werden wir alle benötigten Materialien kaufen, die wir nicht durch Materialspenden erhalten. So viel wie möglich werden wir vor Ort kaufen, um die einheimischen Läden zu stärken. In Deutschland werden wir, falls nötig, fehlende, gebrauchte Ausrüstung laut Materialliste besorgen und medizinisches Material kaufen, das wir in Bosnien nicht bekommen. Wir werden mit den Spendengeldern lokal Lebensmittel einkaufen, diese verarbeiten und austeilen. Außerdem kaufen wir vor Ort Materialien und Lebensnotwendiges, wie beispielsweise Medikamente, Isolationsmaterial und Holz für Öfen. Ein geringer Betrag der Spenden wird in unsere öffentlichen Aktionen in mehrere Städten fließen, da wir der Meinung sind, dass private Hilfsleistungen nur die dringendsten akuten Bedürfnisse decken können (und auch das nicht ausreichend). Letztlich braucht es eine politische Lösung, die wir aber nur bekommen, wenn wir auch Druck in der EU auf die Politik machen.

Geldmittel, die wir nicht ausgeben, werden wir am Ende einer der vielen Initiativen zur Verfügung stellen, die vor Ort aktiv sind. Darüber werden wir ausführlich und transparent berichten.

Kann ich die Spende von der Steuer absetzen?

Nein, das geht leider nicht. Wir sind kein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Du kannst uns natürlich aber trotzdem vertrauen. Wir gehen bewusst und verantwortungsvoll mit dem Geld um und werden am Ende der Aktion einen Transparenzbericht verfassen.

Ist die Hilfe vor Ort wirklich illegal?

Seit Mai 2020 hat der Kanton Una-Sana ein Gesetz erlassen, das es privaten Hilfsorganisationen verbietet, geflüchteten Menschen zu helfen. Der Großteil der Bevölkerung fühlt sich von den Geflüchteten bedroht und von der EU alleingelassen. Die Politik tut wenig, um die Situation zu entspannen. Es gibt zwar Lager, aber die reichen nicht annähernd. In ihnen arbeiten die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das Rote Kreuz, aber beide dürfen keine Hilfe außerhalb der Camps leisten. Doch mehr als 3000 Menschen leben außerhalb der wenigen Camps. Diese Menschen erhalten keine offizielle Unterstützung. Und es kommt noch schlimmer: So wurde im September beispielsweise das Lager Bira in Bihac geräumt. Einige minderjährige Geflüchtete wurden zwar in ein anderes Aufnahmelager untergebracht, jedoch wurden nach der Räumung 350 erwachsene Geflüchtete schlicht und einfach unter freien Himmel ihrem eigenen Schicksal überlassen. Die EU bezeichnete die Räumung des Lagers als „unannehmbar“, passiert ist jedoch nichts. 

Welche Initiativen sind vor Ort?

Wir stehen in Kontakt mit der österreichischen Initiative SOS Balkanroute, mit der deutsch-bosnischen NGO SOS Bihac, mit den Initiativen No Name Kitchen und Blind Spot und einigen anderen mehr oder weniger organisierten Aktivist:innen aus Bosnien und Ländern der EU.

Warum sind die Geflüchteten in Bosnien und Herzegowina? 

Lange Zeit war Bosnien und Herzegowina abseits der sogenannten Balkanrouten. Die Wege nach Westeuropa führten über andere Länder. Das hat sich seit einigen Jahren geändert, nachdem Ungarn und Serbien ihre Grenzen dicht gemacht haben. Viele der Geflüchteten kommen meist aus Griechenland über Nordmazedonien nach Serbien, von wo sie sich über Bosnien und Herzegowina weiter durchschlagen. Der Kanton Una Sana ist geografisch am nächsten an den Zielländern dran. Von hier versuchen die Menschen über Kroatien und Slowenien nach Italien oder Österreich oder noch weiter nach Westen zu kommen.

Wie ist die Corona-Situation vor Ort?

Allgemein lassen sich keine verlässlichen Aussagen über die Corona-Situation sagen. Dies liegt zum einen daran, dass die Geflüchteten weder in einem Register auftauchen, noch werden sie getestet. Grundsätzlich lassen die Umstände der Geflüchteten nahezu keine Hygiene-Maßnahmen zu. Es gibt kaum Masken, keine Sanitäranlagen und oftmals keine Möglichkeit, Abstand zu halten. Die Angst vor Grenzgewalt, Hunger, Kälte und anderen Krankheiten ist aktuell größer als die Angst vor Corona. 

Wie kommen die Menschen durch den Winter? 

Es ist für uns schwer vorstellbar, wie man den Winter ohne Heizung verbringen kann. Für die Menschen, die dort gestrandet sind, bedeutet der bereits begonnen Winter eine reale Gefahr. Gruppen vor Ort versuchen gemeinsam mit den Geflüchteten, die jeweiligen Unterkünfte provisorisch zu isolieren, z.B. werden offene Hauswände mit Planen oder Teppichen bekleidet. Die Kälte ist trotzdem mitunter lebensbedrohlich. Daher sind vor allem im Winter Sachspenden besonders wichtig. 

Was sind eigentlich diese Push-Backs?

Push-Backs sind Maßnahmen, bei denen Staaten Geflüchtete und Migrant:innen, die keinen gültigen Aufenthaltstitel haben, nach einem Grenzübertritt wieder zurück auf außerstaatliches Territorium gebracht werden. Meist geschieht das direkt nach dem Grenzübertritt, oft aber auch erst Tage später. Mittlerweile sind zahlreiche Push-Backs dokumentiert, wo es Menschen bereits durch mehrere Länder geschafft hatten, und dann dennoch wieder beispielsweise von Österreich nach Bosnien und Herzegowina gebracht wurden. 
Push-Backs finden sowohl auf See, beispielsweise indem Boote zurückgedrängt oder abgeschleppt werden, oder an Land statt, indem Geflüchtete an unterschiedlichen Punkten aufgesammelt werden und dann außerhalb der EU-Grenzen verfrachtet werden. Häufig sind diese Push-Backs extrem gewalttätig und erniedrigend. Meistens wird den Menschen ein Teil ihres Besitzes genommen, in Extremfällen kommen sie nur noch in Unterhosen oder sogar nackt zurück. 
Push-Backs verstoßen gegen kroatisches und europäisches Recht, gegen die Genfer Flüchtlingskonvention und die Euopäische Menschenrechtskonvention. So gilt etwa laut der Europäischen Menschenrechtskonvention das Verbot der Kollektivausweisung, wobei Gruppen von Ausländern nicht ohne ausführliche Einzelfallbetrachtung ausgewiesen werden dürfen. Außerdem wird den Menschen so das Recht genommen, einen Asylantrag stellen zu können.
Der Link zwischen EU-Politik und der Brutalität der kroatischen Grenzpolizei scheint offensichtlich: Kroatien möchte Teil des Schengen-Raums werden und will deswegen, wie ein übereifriger Schüler, zeigen, dass es seine Grenzen besonders gut schützt. Das wiederum wird von der EU seit Jahren stillschweigend toleriert und vermutlich für gut geheißen. Ein Blick auf zahlreiche EU Außengrenzen zeigt: Hier sollen brutale Exempel statuiert werden, damit weiter Flüchtlinge abgeschreckt werden. Auf dem Rücken der Pechvögel wird das Versagen der EU, eine vernünftige Asylpoltik zu betreiben, ausgetragen.